Über uns

Es fing mit einem kleinen Jungen an…

Tierstimmen scheinen ganz selbstverständlich zu unserem Leben zu gehören. Es freut uns, dass sie da sind, auch wenn wir ihnen im Alltag wenig Beachtung schenken und oft nicht einmal wissen, welches Tier wir gerade hören. Trotz Biologiestudiums wusste auch ich bis vor kurzem kaum mehr als eine Nachtigall von einer Amsel zu unterscheiden.

Den Anstoß, daran etwas zu ändern, danke ich meinem Neffen, meinem Vater und einer Vogelstimmen-CD. Lange Zeit war es die Lieblingsbeschäftigung dieser beiden, sich gemeinsam Singvögel anzuhören und Vogelbilder dazu anzuschauen. Ein schöner Anblick, wie der Kleine und der Große weltvergessen beieinander saßen und mit glänzenden Augen der Musik der Natur lauschten! Von dieser Szene, die mir wieder in den Sinn kam, als ich Weihnachten 2004 mein neues Handy in Besitz nahm, bis zur Idee für nature-rings.de war es – zumindest gedanklich - nur ein kleiner Schritt.

Klingeltöne sind ja bei Telefonen unumgänglich – aber mußte es unbedingt nerviges Popgeklingel oder grausam verstümmelte Klassik sein? Wie viel schöner wäre es, dachte ich, wenn stattdessen Nachtigallen und Lerchen meine Anrufer meldeten oder ein Rotkehlchen die SMS ankündigte!

…jeder Anruf ein Ohrenschmaus für mich…

Ein Angebot an solcherart natürlichen Klingeltönen konnte ich indes nirgends finden, sieht man mal von dem synthetischen Haustierzoo ab, den man hier und da angeboten findet. In so einem Fall hat man zwei Möglichkeiten: die Sache entweder zu vergessen oder sie in die eigenen Hände zu nehmen. Ich wählte letztere Option und fing an zu experimentieren und zu basteln.

Dabei bin ich eigentlich alles andere als technisch versiert. Aber mit Spaß an der Sache, einem Ziel vor Augen und einer gewissen Ausdauer lässt sich einiges erreichen. Und so hatte ich nach einer Weile ein simples, kleines Tonstudio auf meinem Computer installiert, gelernt, wie man damit filtert, schneidet und neu zusammensetzt, begriffen, wie man ein Dateiformat in ein anderes verwandeln kann und wie man es fertig bringt, dies dann als Klingelton ins Handy zu bekommen.

Fortan war jeder Anruf auf meinem Handy ein Ohrenschmaus – und das offenbar nicht nur für mich. Immer öfter wurde ich darauf angesprochen, wo denn solche schönen Klingeltöne zu haben wären. Was lag da näher, als der Gedanke, ein solches Angebot für jedermann zu entwickeln

…und nun für alle?

Andreas Fußer griff den Gedanken sofort begeistert auf, als ich ihm davon erzählte. Es traf sich, dass uns neben langjähriger Freundschaft auch berufliche Erfahrungen verbinden, denn dieser Umstand erwies sich bald als unentbehrlich für die weitere Entwicklung von nature-rings.de. Er als Journalist, ich als Biologin, haben wir beide in Sachen Kommunikation für verschiedene gemeinnützige Organisationen und Unternehmen gearbeitet. Eine Zeit lang sogar zusammen.

Unser Entschluss, die Idee der „Öko-Klingeltöne“ gemeinsam weiterzuentwicklen, war schnell gefassst. Aber auch wenn vier Schultern breiter sind als zwei – bis die ersten Prototypen vom „Lockruf der Wildnis“ reif für die Serie waren, sollten noch fast zwei Jahre vergehen.

With a little help from…

Auf diesem langen Entwicklungsgang sind wir vielen Menschen begegnet, ohne deren Beitrag nature-rings.de kaum über das Stadium der guten Idee hinausgekommen wäre: Allen voran unser „Rohstoff- Lieferant“, das Tierstimmenarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin und sein Leiter, Dr. Karl-Heinz Frommolt. Er hat uns tatkräftig bei der Auswahl der Tonaufnahmen unterstützt und darüber hinaus auch die Texte auf dieser Seite mit der Fachbrille des Naturwissenschaftlers auf der Nase gelesen.

Dann all die Freunde und Verwandten, die Kritiker, Berater und Experten verschiedenster Professionen, die uns ebenfalls mit ihren Einfällen und Anregungen, mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

Nicht zuletzt eine Webagentur, die zur Human Touch Medienproduktion GmbH in Klein Jasedow/Mecklenburg-Vorpommern gehört, deren "WebJazz Internet Suite" allein schon vom Namen ausgezeichnet  zu unserem Vorhaben passte. Zum Unternehmen zählen zudem eine Reihe Künstler und vor allem Musiker verschiedenster Stilrichtungen und man verfügt über ein Klanghaus mit eigenem Tonstudio.

Studioqualität? Aber natürlich!

Wie wichtig das Tonstudio für die Verwirklichung unserer Ideen sein würde, war uns spätestens nach den ersten, noch holprigen Versuchen, Naturaufnahmen in Klingeltöne zu verwandeln, deutlich geworden.

Da saß dann eines schönen Sommertags die in Sachen Bioakustik leidlich geschulte Biologin neben dem musikalischen Tontechnik-Profi im Studio und hörte sich durch etliche Stunden vorsortierten Tonmaterials.

Schon die Vorsortierung mit der Hilfe des Tierstimmen-Archivs war eine spannende Exkursion durch das Reich der Tierkommunikation.
Was wir suchten, war indes nicht immer leicht zu finden: Charakteristische, arttypische Lautfolgen, die ein bestimmtes Tier klar erkennen lassen. Und deutliche, einprägsame Sequenzen sowie möglichst eindrucksvolle oder melodiöse Passagen. Und nicht zuletzt technisch gute Aufnahmen mit wenig störenden Nebengeräuschen.

Nach diesem Auswahlprozess fing die eigentliche Arbeit jedoch erst an, denn selbst Tierstimmen-Aufnahmen, die alle genannten Anforderungen bestens erfüllen, sind deshalb noch lange kein fertiger Klingelton.

Vögel zum Beispiel machen Pausen zwischen ihren Gesangsstrophen, die den Klingelton zu sehr verlängern und die Datei riesengroß machen würden. Schneidet man sie jedoch einfach komplett raus, dann geht leicht die wieder erkennbare Charakteristik der natürlichen Abfolge verloren.

Blech oder Flötentöne?

Ähnliches Fingerspitzengefühl verlangt das Filtern von Hintergrundgeräuschen. Man staunt nicht schlecht, wieviel Tiefe der Raum den Klängen gibt und was für dünnes „Blech“ mitunter übrig bleibt, wenn man sie dessen um der vermeintlichen Reinheit willen beraubt.

Auch die Justierung einer ausreichenden Grundlautstärke hat ihre Tücken. Manche Töne zerren oder klirren dann so sehr, dass man sie nicht guten Gewissens als Klingelton verwenden kann. Jedenfalls nicht, wenn man mit einem gewissen Qualitätsanspruch an die Sache herangeht.

Screenshot

Zu unserer Überraschung waren es nicht einmal die besonders hochfrequenten Vogelgesänge, die uns ausgedehnte Tüftelarbeit gekostet haben. Die eigentliche Herausforderung waren vielmehr besonders tiefe Töne, am meisten aber die so genannten Obertöne.

Schon ein einzelner Wolf bringt in seinem Geheul ein beachtliches Frequenzspektrum unter. Aber damit nicht genug. Schwingen sich nämlich mehrere Heuler aufeinander ein, entstehen dazu noch die schon erwähnten Obertöne. Die wiederum lassen manche Handy-Gehäuse ganz jämmerlich mitheulen. Das Problem ließ sich aber schließlich doch einigermaßen zufriedenstellend lösen, indem wir einzelne Tonspuren abmischten und die Lautstärken aneinander anpassten.

Bei Anruf: Natur-Schutz!

Ganz bewusst haben wir nicht den einfacheren Weg gewählt, unbearbeitete, kurze Klangschnipsel als Endlosschleife im Klingelton-Format anzubieten. Das hätte uns zwar manche technische Schwierigkeit erspart, zugleich aber hätten wir damit den Genuss beschnitten, bei jedem Anruf natürlichen Wohlklang zu erleben und die Chance, durch die Töne auf dem Telefon Tiere in freier Wildbahn erkennen zu lernen, wäre ebenfalls verkleinert worden.

Denn darum geht es ja unter anderem auch: Naturmusik über den Umweg von Klingeltönen kennen und schätzen zu lernen und Vergnügen an schönen Tierstimmen zu finden. Nun hoffen wir, dass nature-rings.de viele Freunde findet, die sich ebenso wie wir den „Anruf der Natur“ wünschen und die etwas darum zu geben bereit sind, dass uns die Musik der Natur in ihrer ganzen Fülle erhalten bleibt.

Gundula Oertel,
Berlin im Oktober 2006