Wolf in Schleswig Holstein

Land muss Vorbereitung für Einwanderung treffen.

An der B 76 bei Süsel im Kreis Ostholstein ist am Montag (23.) ein Wolf überfahren worden. Da das etwa ein Jahre alte und 38 Kilogramm schwere Tier keinen implantierten Mikrochip trug, stammt es nicht aus einem Wildpark, so Dorit Feddersen-Petersen vom Zoologischen Institut der Uni Kiel. Der NABU fordert nun die Landesregierung auf, Maßnahmen für zukünftige Einwanderungen zu treffen. „Der Nachweis eines Wolfes in Schleswig-Holstein ist eine gute Nachricht“, sagte der NABU-Landesvorsitzender Hermann Schultz. „Wölfe sind aber in Deutschland vielen Gefahren ausgesetzt, vor allem durch illegale Abschüsse und im Straßenverkehr müssen Wölfe ihr Leben lassen. So kam auch der junge Rüde an einer vielbefahrenen Bundesstraße ums Leben.“

Der NABU hat die Hoffnung, dass dieser Wolf nicht der einzige bleibt, der den Weg nach Schleswig-Holstein findet. Im aktuellen Fall gilt es zunächst einmal, durch eine Genanalyse die genaue Herkunft des Wolfs zu klären. Gerade einzelne Wölfe haben einen großen Aktionsradius.
Bereits vor gut einem Jahrzehnt war es einwandernden Wölfen gelungen, sich auf einem großen Truppenübungsplatz in Sachsen erfolgreich anzusiedeln. Mittlerweile leben in der Lausitz zwei Wolfsrudel mit rund zwei Dutzend Tieren, die sich auch fortpflanzen. Der Freistaat Sachsen reagierte auf dieses unverhoffte „Geschenk der Natur“ mit einer Reihe von naturschutzfachlichen Managementmaßnahmen, so zum Beispiel der Einrichtung des Kontaktbüros „Wolfsregion Lausitz“, einer neutralen Anlaufstelle für die Bewohner dieses Gebietes. Dies geschah in der Absicht, das für beide Seiten ungewohnte Zusammenleben von Wolf und Mensch weitgehend konfliktfrei zu ermöglichen.

„Wenn in der Zukunft die Einwanderung erfolgreich gelingen sollte, kann Schleswig-Holstein neben der italienischen Toskana oder der polnischen Wartheniederung ebenfalls wieder zum Wolfsland werden", so Hermann Schultz weiter. Mit Blick auf eine mögliche Rückkehr von Wölfen nach Schleswig-Holstein fordert der NABU erneut ein länderübergreifendes Wolfsmanagement. Für den Fall der Fälle müssen die Bundesländer Pläne in der Schublade haben, die das Zusammenleben von Mensch und Wolf regeln. Gerade die jüngsten Meldungen von Vorkommen in Niedersachsen und möglicherweise Mecklenburg-Vorpommern unterstreichen die Bedeutung einer raschen länderübergreifenden Zusammenarbeit. Das traurige Schicksal des ersten Wolfes in Schleswig-Holstein nach fast 200 Jahren – der letzte schleswig-holsteinische Wolf wurde um 1810 im Raum Neumünster erschossen – verdeutlicht zudem, wie wichtig die Forderung des NABU in seinem Bundeswildwegeplan ist, gesicherte Wanderwege für Wildtiere wie Wolf, Luchs oder Fischotter einzurichten.

Der NABU unterstützt auch in Schleswig-Holstein die vorsorgliche Schulung ehrenamtlicher Wolfsbetreuer und setzt sich aktiv für den Erhalt von großflächigen Schutzgebieten ein, die sich auch als Rückzugsräume für Wölfe eignen. Gerade das Schutzgebietsnetz „Natura 2000“, in dem das europäische Naturerbe nachhaltig gesichert werden soll, kann eine Grundlage dafür sein, wenn dort die EU-rechtlich festgelegten Schutzbestimmungen konsequent und vorangehend angewandt werden.

Der NABU unterstützt mit seinem Projekt „Willkommen Wolf!“ die Rückkehr frei lebender Wölfe nach Deutschland. Antworten auf Fragen zum Umgang mit dem Wolf bietet auch die NABU-Broschüre „Willkommen Wolf“. Natürlich hilft auch die Spende für einen Klingelton den Projekten weiter.

Für Rückfragen:
Ingo Ludwichowski
NABU Schleswig-Holstein
Tel. 01 60-96 23 05 12

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