NABU und LBV: Kuckuck ist Vogel des Jahres 2008

Rückgang von Artenvielfalt und Klimaerwärmung bedrohen populären Zugvogel

Nach Angaben mehrerer Bundesländer hat die Zahl der Kuckucke allein in den vergangenen zehn Jahren um etwa 20 Prozent abgenommen. In Baden-Württemberg, wo er ehemals nahezu flächendeckend vorkam, wurden am Bodensee zwischen 1981 und 1991 Verluste von 14,2 Prozent, im württembergischen Allgäu von rund 30 Prozent festgestellt. Im Nordosten Deutschlands, wie etwa im Spreewald, und in den bayerischen Voralpen ist er noch am häufigsten anzutreffen.
„Der Kuckuck steht für artenreiche und vielfältige Lebensräume. Wo sich Landschaft durch die Anlage großflächiger Monokulturen, für den Bau von Freizeitanlagen oder den Straßenbau verändert oder verschwindet, fehlt dieser Lebensraum für die Vögel“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Zusätzlich wirke sich der Einsatz von Pestiziden negativ auf den Bestand aus, da dem Kuckuck als Insektenfresser zunehmend die Nahrung fehle.
Mit seinen 34 Zentimetern Körpergröße ist der Kuckuck etwa so groß wie sein Vorgänger unter den Jahresvögeln, der Turmfalke. Eines der wichtigsten Kennzeichen des Kuckucks ist der sogenannte Brutparasitismus. „Er legt seine Eier in die Nester anderer Vögel, der Wirtsvögel, damit diese den eigenen Nachwuchs für ihn aufziehen. Nach dem Schlüpfen schiebt der Jungkuckuck nacheinander sämtliche Eier oder bereits geschlüpfte Stiefgeschwister über den Nestrand und lässt sich allein ‚bewirten’“, erläuterte LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann. Er sei auf bestimmte Wirtsvögel geprägt, die alle viel kleiner sind als der Kukuck, wie z.B. den Teichrohrsänger, der nur im dichten Schilf oder an Teichen und Seen vorkommt, oder den Wasserpieper, der hauptsächlich am Alpenrand zu finden ist.Weitere Wirtsvögel sind Bachstelze, Hausrotschwanz, Rotkehlchen und Zaunkönig.
Der Klimawandel kann nach bisherigen Einschätzungen ebenfalls negative Folgen für den Kuckuck haben. Da viele seiner Wirtsvögel wie Hausrotschwanz und Rotkehlchen immer früher brüten, der Kuckuck aber seine Zugzeiten als Langstreckenzieher weitgehend beibehält, hat er es immer schwerer, noch Nester zu finden, die ganz am Anfang ihrer Brut stehen. Auf die ist er aber angewiesen, damit der junge Kuckuck möglichst als Erster schlüpft und noch die Eier der Jungvögel seiner Zieheltern über den Nestrand schieben kann. „Es wäre tragisch, wenn einer unserer populärsten Vögel bald nicht mehr zu hören sein könnte“, warnte NABU-Vizepräsident Opitz.
Der Kuckuck ist ein eher scheuer Vogel, der die Nähe des Menschen meidet. Das Männchen ist überwiegend schiefergrau. Seine quer gebänderte Unterseite erinnert an einen Sperber. Die Weibchen sind leicht rostfarben getönt. In Deutschland leben zwischen 51.000 und 97.000 Brutpaare. Europaweit gibt es etwa 4,2 bis 8,6 Millionen Paare. Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit längerem rückläufige Zahlen. In England verringerte sich der Bestand in den vergangenen 30 Jahren um fast 60 Prozent. Stabile Bestände werden nur noch aus Osteuropa gemeldet. Über ganz Europa verbreitet, fehlt der Kuckuck nur auf Island und im äußersten Norden Russlands. Auch in großen Teilen Asiens und in Nordafrika ist er heimisch.
Der NABU wird 2008 eine bundesweite Bestandserhebung zum Kuckuck durchführen.

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