Die Wölfe sind wieder da

NABU-Aktionsplan Wolf

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Wer an Wölfe denkt, der denkt automatisch an menschenleere Landschaften Nordamerikas oder Sibiriens. Kaum jemand weiß, dass Wolfsspuren heute vor den Toren Roms und Florenz oder an den Mittelmeerstränden der Toskana gefunden werden können. Auch in Polen – von hier wandern sie nach Ostdeutschland ein – Spanien oder Rumänien leben sie von den meisten Menschen unbemerkt inmitten von Kulturlandschaften. Es kann daher als gesichert gelten, dass Wölfe auch in den Bundesländern Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine Reihe geeigneter Lebensräume vorfinden werden.

Was ist zu tun?
Die Reaktionen auf die Rückkehr der Wölfe in das östliche Deutschland sind überwiegend positiv. Gelegentlich begegnet man den Wölfen aber auch mit Vorbehalten und Sorgen, denn im Gegensatz zu den Bevölkerungen der traditionellen europäischen „Wolfsländer“ spielten diese Beutegreifer in den vergangenen Jahrhunderten in den Köpfen der Menschen keine nennenswerte Rolle mehr. Wir Menschen in Deutschland müssen daher – auch als Naturschützer – erst wieder lernen, mit dem Wolf in unserer Nachbarschaft zu leben. Mit dem Aktionsplan Wolf stellt der NABU einen Arbeitsplan vor, der genau dieses Ziel – „Das konfliktarme Zusammenleben von Menschen und Wölfen in Deutschland“ – unterstützen will.

NABU-Aktionsplan Wolf
1. Die Einwanderung begleiten

Um den Wolf ranken sich unendlich viele Mythen, Einbildungen, Phantasien und
Vorurteile. Das gilt auch für die Rückkehrer nach Deutschland. Zuverlässige Informationen über die Situation der Wölfe in Deutschland sind daher eine unverzichtbare Voraussetzung, um nicht Gerüchten oder Halbwahrheiten auf zu sitzen. Mit Unterstützung des NABU Sachsen soll deshalb in der Lausitz ein
ehrenamtliches Wolfsbetreuersystem aufgebaut werden. Aufgabe dieser Wolfs-Betreuer ist es, vor Ort Informationen zu den Wölfen und ihrer Lebensweise zu vermitteln sowie direkter Ansprechpartner für die Bevölkerung zu sein. Weitere Aufgabe der Wolfsbetreuer ist es, Wolfshinweise (z.B. Fährten, Kot, Risse) zu erfassen und den in der Region arbeitenden Wissenschaftlern zeitnah zuzuleiten. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, werden die Wolfs-Betreuer intensiv geschult.

Ein enger Kontakt zwischen Wolfsbetreuern und Wissenschaftlern ist für den Erfolg der Arbeit ein wichtige Grundlage. Nur so können die vor Ort gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen in die wissenschaftlichen Auswertungen einfließen. Dieses Betreuernetz soll auf die für die Wolfsbesiedlung in Frage kommenden Regionen im Osten Deutschlands ausgedehnt werden.

Der NABU verbindet mit dem Aufbau des Wolfsbetreuernetzes die Erwartung, dass die überwiegend positiven Reaktionen auf die „Neubürger in der Nachbarschaft" auch in Zukunft Bestand haben werden und aufkommende Probleme im
gemeinsamen Dialog unbürokratisch und mit gegenseitigem Vertrauen gelöst werden können.

2. Konfliktarme Lebensräume sichern und entwickeln!

Die Erfahrungen mit Wolfsvorkommen in anderen europäischen Ländern zeigen, dass Wölfe sich sehr gut an unterschiedliche Lebensräume anpassen können. Die Nähe des Menschen stört sie nicht, wenn Rück zugsgebiete vorhanden sind, in denen sie Ruhephasen verbringen und ungestört ihren Nachwuchs aufziehen können. Ziel muss es daher sein, solche Rückzugsräume zu sichern. Besonders geeignet sind dafür ehemalige und aktive Truppenübungsplätze sowie großflächige Schutzgebiete.

Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass Wölfe, so wie viele andere Wildtiere (Reh, Rothirsch, Dachs, Fuchs) auf ihren Wanderungen auch Opfer des Straßenverkehrs werden und so in ihrem Bestand geschwächt werden.

Der NABU

3. Vertrauen und Akzeptanz schaffen!

Mit seiner Arbeitsgruppe „Pro Wolf“ arbeitet der NABU Sachsen bereits schwerpunktmäßig an diesen Themen:
Ziel des NABU ist es, die Bevölkerung für einen bewussten Umgang mit den lange vertriebenen Rückkehrern zu sensibilisieren und die Wölfe nicht als Feind oder Konkurrent, sondern als Bereicherung und als ein Anzeichen für funktionierende Naturräume verstanden werden.

Der NABU

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