Elegien im Steigflug

Die Heidelerche (Lullula arborea)

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Noch zu Lebzeiten Mozarts und Heines waren einheimische Singvögel vielerorts in Mitteleuropa als Zierde im goldenen Käfig adliger Damen oder in Volieren an fürstlichen Höfen üblich, noch mehr aber als Delikatesse auf dem Speiseplan. Vogelfänger war seit alters her ein regelrechter Beruf, wenn vielleicht auch nicht der einträglichste. Mozarts Papageno kann es sich immerhin leisten, mit Papagena eine Familie zu gründen. Das französische Volkslied von der feinen Lerche (Gentille  Alouette)  beschreibt minutiös das Rupfen des zarten Vögelchens, dessen kleine Brust zum Beispiel in Frankreich gern getrüffelt aufgetischt wurde. In Deutschland wurden die Vögel als ganze gefüllt und kreuzweise mit Küchengarn verschnürt gebraten. 1876 war damit zumindest in Sachsen Schluss. Tierschützer, so liest man, setzten der Jagd auf Lerchen ein Ende. Ein geschäftstüchtiger Konditor wusste indes die Enttäuschung der Leipziger Gourmets mit Süßigkeiten zu besänftigen. Er erfand ein Teigschiffchen, gefüllt mit Marzipan und obenauf kreuzweise mit Teigstreifen belegt, nannte dies „Leipziger Lerche“ und verdiente der Überlieferung nach auch gut an seiner vogelfreundlichen Geschäftsidee.

Für die Bestandsentwicklung der Heidelerchen kann man in Mitteleuropa zwar insgesamt von einer gewissen Stabilität sprechen. Trotzdem sind die regionalen Vorkommen teils erheblich zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind wie bei  vielen anderen Arten auch die Beschneidungen geeigneter Lebensräume wie Heidelandschaften oder Brachflächen durch Bebauung oder Freizeitnutzung einerseits und durch Aufforstungen andererseits. Dazu kommt hier ebenfalls die gestiegene Belastung durch Umweltchemikalien, die die Insekten, von denen sich Heidelerchen bevorzugt ernähren, vergiften und vernichten. Und auch bei Heidelerchen ist der Fang in Frankreich und Spanien ein wichtiger Grund für Rückgänge im Gesamtbestand.

Auf die oben genannten Faktoren muss man nachhaltigen Einfluss nehmen, wenn man auf den Gesang der Heidelerchen Wert legt. Die Bestände werden auch durch die Erhaltung und Pflege von neuen Lebensräumen geschützt, in denen sich Heidelerchen sozusagen ersatzweise angesiedelt haben. Dazu gehören Truppenübungsplätze und renaturierte Tagebaugebiete ebenso wie erneut für Schafe oder Ziegen in Nutzung genommene Weideflächen.

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Aufnahme: G. Tembrock
Ort: Schleusingen, Thüringen
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