Heimatklang bevorzugt

Der Ortolan (Emberiza hortulana)

Seite 2

Zur Paarung im Brutrevier sucht sich das Männchen am liebsten solche Plätze zum Singen aus, die hoch oben sind. Von dort aus läßt sich das eigene Revier besonders weithin hörbar betonen.
Nur wenn ein interessiertes Weibchen bereits sehr nahe gekommen ist, wird sie mit dem Vortrag von Liebesliedern direkt vom Erdboden aus umworben.
Auf freche Rivalen hingegen schmettert der Ortolan seine Überlegenheit von ausdrucksvoll wellenförmigen Schauflügen herab.

Ortolane sind etwas schlanker als Haussperlinge, aber kaum kleiner. Männchen und Weibchen sind sich ziemlich ähnlich, nur ganz aus der Nähe könnte man eine feinere Strichelung auf dem Kopf des Weibchens erkennen.
Die Vögel, die vormals Gartenammer genannt wurden, bauen ihre Nester gern am Boden zwischen Gras- oder Getreidehalme. Sie lieben dafür Standorte in kleinteiligen, trockenen und warmen Strukturen – in Gärten, klein parzellierten Feldfluren oder terrassierten Weingärten beispielsweise. Daher auch der Namenszusatz „hortulana“, der auf das bevorzugte Bewohnen von „gärtchenartigen“ Orten hindeutet.

Anders als andere Vogelarten sind Ortolane dennoch keine großen Obstliebhaber. Eher schon passionierte, biologische Schädlingsbekämpfer, denn vor allem während der Brutzeit vertilgen sie mit ihren Nestlingen ganze Raupen- und Käferhundertschaften. Sonst sind Grassamen ihre Hauptspeise.

Für den Schutz seiner Lebensräume kann der nützliche, kleine Sänger leider auf ebenso wenig menschliche Rücksicht setzen, wie viele andere Tiere.
Eine Vogelart, die weitgehend störungsfreie Kleinstrukturen mit abwechslungsreicher Vegetation und einem unvergifteten Futterangebot braucht, ist verloren in einer Umgebung, in der auf weiter Fläche industrielle Agrarproduktion und zivilisierte Monotonie vorherrschen.

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3

zurück zur Übersicht

© Copyright 2018 by Gundula Oertel. Alle Rechte vorbehalten.

Sie wünschen diese Tierstimme als Handy-Klingelton?
Download-Codes dafür erhalten Sie sofort nach Ihrer Spende für die Natur!

Aufnahme: Dr. Klaus Conrads
Ort: Bielefeld
Alle Rechte vorbehalten.

Falls Sie Probleme beim Abspielen der Klingeltöne haben, bitte installieren Sie die aktuelle Version des Adobe Flash Players: