Virtuos vertonte Frühlingsgefühle

Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

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Im Gesang kommen auch Passagen vor, die sich wie das Knarren trockener Äste oder wie leises Grillenzirpen anhören. Besonders leicht erkennt man Nachtigallengesang an dem typischen Crescendo aufeinander folgender Pfiffe, die vor allem im nächtlichen Gesang oft zu hören sind. Sie werden manchmal als "Schluchzen" beschrieben. Das ebenso charakteristische Silbenstakkato nennt man "Schlagen". Wahrhaft passend bezeichnet dies eine Lautäußerung, die für den Fall mutwilliger Missachtung von Reviergrenzen spürbare Konsequenzen androht.

Der Balzgesang des Männchens ist weit leiser und hat keinen so strikten Strophenaufbau. Nachtigallen-Weibchen singen ebenfalls, allerdings nur auf dem Nest und recht leise.

Trotz ihres deutschen Namens singen Nachtigallen bei Tag und bei Nacht. Besonders viel Gesang ist im April und Mai zur Paarungszeit zu hören und noch einmal während der zwei bis drei Wochen nach Ende der Brutzeit, wenn die Eltern den Jungvögeln Gesangsunterricht geben.

Nachtigallen sind Zugvögel, die im Laufe des Monats August aus ihren mitteleuropäischen Brutgebieten ins tropische Afrika ziehen. Sie singen noch auf dem Zug und haben auch in den Winterquartieren individuelle Territorien, in denen sie tagsüber Reviergesang hören lassen.

Nach Mitteleuropa kehren sie Ende März zurück. Zuerst treffen die Männchen ein und gründen Reviere. Einige Tage später kommen die Weibchen nach und suchen sich ihren Partner aus. Dabei können sie ziemlich wählerisch sein, denn die Zahl der Männchen, die  Kost und Logis für eine ganze Familie zu bieten haben, ist stets größer als der Bedarf.

Nachtigallen sind ihrem Partner in der Regel treu, solange die Saison dauert.
Die Männchen verlassen sich allerdings nicht auf die einmal signalisierte Bindungswilligkeit des Weibchens. Ihre Partnerinnen bewachen sie eifersüchtig während der gesamten Phase der Paarung bis zur Eiablage. Sie treiben sie in dieser Zeit sogar energisch zurück zum Nest, sobald sie sich zu weit entfernen. Dies geschieht offensichtlich, damit kein frecher Filou das Weibchen auf Abwege lockt und so die eigene Vaterschaft zweifelhaft werden lässt.

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Aufnahme: K. Conrads
Ort: Bielefeld
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