Heimatklang bevorzugt

Der Ortolan (Emberiza hortulana)

Englisch: Ortolan Bunting
Französisch: Bruant ortolan

Ortolane singen buchstäblich, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
Je nachdem, wo ein Vogel dieser Art aufgewachsen ist, lässt er seine heimatliche „Ortolan-Schnabelart“ hören. So wie menschliche Sprache regional verschieden als „Mundart“ oder Dialekt gesprochen wird .
Typischen Ortolangesang verallgemeinerbar zu beschreiben, hat also Grenzen, genauer gesagt, Dialektgrenzen!
Jedoch gibt es im arteigenen Gesang dieser Vögel bei aller Varianz auch einen Anteil übereinstimmender Merkmale.
Ortolanstrophen klingen meist glockenklar und melodisch.
Ist die Strophenkomposition zweiteilig und folgt einer Anzahl von zwei bis sechs gleich klingenden Silben eine mit fallender Tonhöhe, dann hört sich der Sänger ein wenig wehmütig an.
Manchmal kommt zu zwei Elementen noch ein drittes hinzu, das die Melodie mit einem weichen Tremolo bereichert.

Jedes Männchen singt verschiedene Strophentypen in einem individuellen Repertoire. Sie unterscheiden sich von Vogel zu Vogel zum Beispiel durch die Tonhöhe, Zahl und Dauer einzelner Gesangselemente.
Dialektunterschiede zeigen sich besonders in der Art, wie das relativ konstante Muster im Mittelteil einer Gesangsstrophe mit einem stark variierenden Schlusselement kombiniert wird. Aus solchen Unterschieden im Gesang erwachsener Ortolane hören Kenner heraus, wo das Küken Singen gelernt hat.

Regionale Gesangsdialekte sind eine Erscheinung, die unter Vögeln nicht selten vorkommt. Warum sie sich entwickeln, ist allerdings noch mehr oder weniger umstritten. Ortolanweibchen bevorzugen jedenfalls nachweislich Männchen mit dem vertrauten Gesangsdialekt ihrer eigenen Geburtsorte zur alljährlich neuen Familiengründung.
Eine Beobachtung, die zur Annahme mancher Biologen passt, dass Gesangsdialekte der Kommunikation einen Rahmen geben, innerhalb dessen die Vögel einer Population weniger Energie für ihr soziales Leben aufwenden müssen als außerhalb.
Ebenso wie viele andere Vogelweibchen, erkennt auch die "Ortolanin" die Fitness eines Männchens an seiner besonderen Sangeskunst. Dabei wäre es in der Tat energiesparend, sich auf die relative Qualität eines heimatlich vertrauten Klangs zu konzentrieren und nicht noch zusätzlich zur Urteilsfindung einen ungewohnten Akzent wegfiltern zu müssen!
Zumal Ortolane Zugvögel sind und ein gemeinsamer Dialekt in der Ferne kollektive Orientierung und gemeinschaftlichen Rückhalt für die Heimreise ins angestammte Brutgebiet geben könnte.

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Aufnahme: Dr. Klaus Conrads
Ort: Bielefeld
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