Sein Ruf begrüßt die kommende Nacht

Der Waldkauz (Vogel des Jahres 2017) (Strix aluco)

Englisch: Tawny Owl
Französisch: Chouette hulotte

Nichts kann romantische Klischees vom urwüchsigen Leben in freier Natur besser vertonen, als die Stimmen mancher Wildtiere. Nicht nur Wolfsgeheul, auch Eulenrufe stehen ganz oben bei den Klangfarben, mit denen sich unsere Phantasie gerne die Wildnis ausmalt.

Wenn im Herbst die Dämmerung beginnt, lässt der Vogel des Jahres 2017 seinen schaurig-schönen Reviergesang durch den Wald schallen. "Huhu! - Huhuhu, Huuuuuh!" ruft das Waldkauz-Männchen. Die kurze, meist zweisilbige Einleitung stößt die Vokale kurz an, fällt im Klang leicht abwärts und ist noch nicht sehr laut. Dann folgen in größerer Lautstärke drei schnelle, rollende Silben und darauf ein lang gezogener, deutlich abfallender Laut. Weibchen mit Paarungsgelüsten antworten darauf mit einem wild gellenden Schrei, den man gelegentlich aber auch von den männlichen Tieren hören kann.

Wie bei vielen anderen Arten auch ist die Kommunikation zwischen verpaarten Tieren von weicheren, oft leiseren Tönen geprägt. Beide Geschlechter verfügen über ein reiches Lautrepertoire, das im Sitzen oder im Flug geäußert werden kann. Kauzige Gesänge ertönen im Wald am häufigsten zwischen September und November und dann wieder zeitig im Frühjahr.

Sein wissenschaftlicher Name tut dem schönen Vogel bitter Unrecht. Der vom Blut saugenden Vampirvogel Strix aus der griechischen Antike entlehnte Name ist zu allem noch mit dem Zusatz "aluco" unterstrichen, was wohl auf das hebräische Wort "Aluka" für Blutsauger zurückgehen dürfte. Da sind andere Bezeichnungen wie "Kauz" oder das englische "tawny", das sich einfach auf das lohfarbene Gefieder des Eulenvogels bezieht, doch deutlich nüchterner zu nennen.

Waldkäuze sind kaum 40 Zentimeter groß. Männliche Tiere wiegen im Schnitt ein knappes Pfund, die Weibchen meist 100 Gramm mehr. Ihre Gefiederfarben sind vor dem Hintergrund hellgelblicher und dunkelbrauner Baumrinde kaum auffallend. Die Augen sind tiefbraun und der große Kopf ist ziemlich rundlich. Alles in allem keine sonderlich elegante Erscheinung, eher schon "kauzig".

Ihre Jagdflüge jedoch sind von einer Wendigkeit, die man bewundern muss. Es kommt vor, dass die eigentlich dämmerungsaktiven Jäger bereits lautlos über Waldlichtungen streichen, während es noch hell ist. Waldkäuze sind nicht nur sehr geschickte Flieger, sondern auch sehr behände Kletterer.

Beute wird mit den großen, bestens an schummrige Beleuchtung angepassten Augen von Beobachtungsposten ausgespäht oder auch im Suchflug. Dabei zeigt sich die bemerkenswerte Drehbarkeit des Kopfes, die der Vogel für den Rundblick braucht, weil er nicht mit den Augen rollen kann. Der Waldkauz kann Vögel fliegend erbeuten und fischt erfolgreich. Seine Leibspeise sind vor allem kleine Säuger, allen voran Mäuse aber auch Ratten, Hamster oder Eichhörnchen. Seine ausgesprochene Vielseitigkeit bei der Jagd sichert ihm gute Überlebenschancen. Wählerische Esser haben es beim ausgedünnten Angebot der Agrarlandschaften weit schwerer.

Mit seinem Brutplatz ist der Waldkauz leidlich anpassungsfähig. Baumhöhlen dürfen schon mal in alten Parkanlagen oder großen Gärten sein. Zur Not tut es mitten in der Stadt eine Mauernische in Ruinen oder gar ein verlassenes Krähennest.

Waldkäuze sind ausgesprochen treue Ehepartner und bleiben auch im Herbst und Winter in ihrem Brutrevier. Die Heimat der Waldkäuze erstreckt sich von Südspanien über ganz Mitteleuropa bis Westsibirien und Iran. Getrennt davon sind Vorkommen von Südrussland bis China und Korea.

Dank ihrer Anpassungsfähigkeit haben sich stabile Bestände erhalten, die Schutzmaßnahmen nicht akut erfordern. Allerdings profitieren Waldkäuze von einfachen Rücksichten, wie zum Beispiel der Erhaltung von Altholz und darin stehenden Höhlenbäumen.

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Aufnahme: G. Tembrock
Ort: Berlin Pankow
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