Die Wildnis ruft im Chor

Der Wolf (Canis lupus)

Englisch: Wolf
Französisch: Loup

Spätestens mit Jack Londons Roman ist für viele Menschen das Heulen der Wölfe zu einem Symbol für die Magie der Wildnis, zum "Ruf der Wildnis" schlechthin geworden. Doch der uralte Hass sitzt auch noch tief. So erhitzt schon eine handvoll Wölfe, die jüngst aus Osteuropa nach Deutschland in die sächsische Lausitz eingewandert sind, wieder die Gemüter. Zugleich aber zieht es begeisterte Naturfreunde in die osteuropäischen Wälder, wo sie sich gern von findigen Reiseveranstaltern auf die Fährte der Wölfe führen lassen. Und wenn sie dabei schon keinen Blick auf einen echten Wolf erhaschen können, dann wollen sie doch wenigstens sein mitreißend intoniertes Geheul in freier Wildbahn hören.

Mitreißend ist das Heulen der Wölfe allerdings, und das hat viel mit seiner Bedeutung für die Verständigung untereinander zu tun. In ihrem Lautrepertoire kommen zwar auch andere Formen vor, die den sozialen Kontakt im Rudel und gegenüber anderen regeln, wie Knurren, Winseln und seltener auch Bellen. Doch das Heulen nimmt eine ganz besondere Stellung im Familienleben der Wölfe ein. Wissenschaftlich untersucht und eindrucksvoll beschrieben hat das zum Beispiel der Wolfsforscher Erik Zimen. Für ihn "...ist das Heulen ein lang gezogener, melodischer U-Laut,..." der wohl am stärksten charakteristische Laut des Wolfes. Die Tiere erheben dabei nicht nur ihre Stimme, sondern auch den Kopf und legen die Ohren zurück. Ein Bild, das wohl beinahe jeder schon einmal vor Augen hatte. Eine so genannte Heulstrophe ist bis zu 20 Sekunden lang, und es können viele davon in mehr oder weniger großen Abständen folgen, minuten- ja sogar stundenlang. Erik Zimen und andere konnten zeigen, dass die Tiere eines Rudels nicht nur auf individuell unterschiedliche Weise heulen, sondern, dass Wölfe auch selbst ihre Artgenossen danach unterscheiden können. Unterschiede sind jedoch nicht nur von Tier zu Tier innerhalb eines Rudels feststellbar. Europäische Wölfe heulen anders als beispielsweise kanadische. Sie haben gewissermaßen einen anderen regionalen Dialekt, ähnlich wie Vögel derselben Art in verschiedenen Regionen.

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Aufnahme: B. Eitner
Ort: Zoologischer Garten, Nürnberg
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